01.07.2016
 
Das wissen Sie ja, dass Ihre Vorstellungen, wenn sie umgegossen sein sollen in den Willen,
dann untertauchen müssen in die Untergründe des menschlichen Wesens,
dass der Gedanke selber noch nicht durchzogen ist von dem Willen.
Der Gedanke aber, der draußen in der Welt wirkt, der ist durchzogen und durchwebt vom Willen.
Und das eben ist das eigenartige des Geistes, der objektiv draußen die Dinge durchwirkt,
dass er schöpferisch ist. Dadurch ist er aber nicht mehr nur Gedanke, dadurch ist er Geist.
Der Gedanke der menschlichen Natur ist dadurch zustande gekommen,
dass der Wille aus dem Geist herausgepresst ist und dass dieser wie ein Reflex
erst aus dem Menschen heraus erscheint. Für den geistigen Blick zeigt er sich
draußen nirgends von dem Schöpferischen getrennt. 
 
Rudolf Steiner

18.06.2016

 

Geist ist kein festes Ding von Dauer, er ist ein Prozess, ein wahrer Geist‑"Strom".

Allein dadurch, dass Gedanken durch den Geist ziehen, "sichern" sie schon seine Kontinuität.

Würde der Geist immerzu bei einem Gedanken verharren, dann würde er festfahren, einfrieren.

Da der Geist sich aber dauernd bewegt, da er dynamisch ist, kann man die äußere Welt

durch sich ständig ändernde Sinneseindrücke wahrnehmen. Man kann sehen, hören, fühlen usw.

Wir können den Geiststrom zum Beispiel mit dem schnellen Lesen einer Reihe von Worten vergleichen.

Jedes Wort wäre mit einem Gedanken verbunden und man kann diese Gedankenreihe nur verstehen,

weil der Geist keine feste unveränderliche Einheit ist. Wäre unser Geist nicht dynamisch,

würden wir bei 'A' hängen bleiben und niemals zu 'B' gelangen.

Der Geist bewegt sich in jedem Moment, er bleibt niemals an seinem Ausgangspunkt.

 
Shamar Rinpoche

11.06.2016

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felswand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.

Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.

Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

Goethe (1779)

31.05.2016

 

Jenseits von

richtig und falsch

gibt es einen Ort,

Da treffen wir uns.

 

-Rumi-

07.05.2016
 
Dieses Ausschau halten nach dem Sinn,
dem absoluten Göttlichen, das Alles zusammenhält,
dem Impuls, der die Bewegung begann.
Die Suche nach dem Unsagbaren der tiefen Stille
ist die mystische Sehnsucht, die uns innerlich antreibt.
Sie ist so wenig fassbar, wie der Nebel am Morgen,
wenn die ersten Strahlen des Lichts
das Dunkel der Schatten brechen.
Liebe ist die Antwort,
die uns vor dem Nihilismus bewahrt.
 
(N.N.)