02.06.2014
 
Stülpe ich einem Menschen meine Vorstellung,
wie er ist, über, enge ich ihn ein und er kann
gar nicht anders, als entsprechend
dieser Vorstellung zu leben.
Ich sehe nichts anderes in ihm,
als das, was ich denke.
Meinem Geist wird die Fähigkeit genommen,
den anderen zu spiegeln, wie er wirklich ist,
denn meine Bewertung hängt davor, wie ein starres Bild
und nur dieses kann den anderen erkennen.
Achten sie einmal beim Hören einer Symphonie darauf,
wie häufig zum Beispiel der Ton "e" vorkommt.
Und doch klingt dieses "e" an jeder Stelle anders.
Der Ort, die Zeit, das Vorher und das Nachher
sind völlig verschieden.
Übertragen wir dies auf die Beziehung von Menschen,
heißt das, dass mein Partner oder meine Partnerin,
meine Mitmenschen, in jedem Moment anders sind.
Sie können gar nicht langweilig sein, lediglich mein Blick
sieht immer nur das Gleiche und hört immer nur einen Klang.
Unser Denken verhindert, dass wir den anderen nicht in
jedem Augenblick neu erfahren, sondern nur in
schon von mir festgeschriebenen Mustern.
Sind wir uns dessen bewußt, können wir unseren
abwertenden Geist vorüberziehen lassen und
kommen dadurch wieder ins Staunen, was der
Augenblick mir in diesem Hier und Jetzt zeigt.
Jede Begegnung kann für uns wieder neu werden.
(Doris Zölls)

24.05.2014

Der Weg der Vollkommenheit ist nicht schwierig

für den, der keine Vorlieben kennt.

Alles wird vollständig und unvermittelt offenbart

an den, der frei ist von Vorzug und Abneigung.

 

Verstricke dich nicht in die Vielzahl der Dinge,

doch mache ebenso wenig aus der Leere einen Rückzugsort.

Finde Ruhe in der Einheit des Seins

und jeder Unterschied schwindet von selbst.

 

Wer versucht, zur Ruhe zu kommen,

durch Bewegung anzuhalten,

wird unvermindert eine Quelle der Ruhelosigkeit bleiben.

Solange du einen Teil der Gegensätze wählst,

wird dir die Erfahrung des großen Ganzen nie zuteilwerden.

 

Wer wach ist,

fällt nicht dem Träumen zum Opfer.

Wenn das Bewusstsein keinen Unterschied erzeugt,

erscheinen die Tausend-und-ein Dinge so wie sie sind:

Eins und nur Wesentlich.

 

Wer das Geheimnis dieser einzigartigen Identität kennt,

ist befreit von aller Verwirrung.

Wer gleichmütig die Einheit in all ihrer Vielfalt erschaut

und die Vielfalt in ihrer Einheit,

kehrt zurück zu dem ursprünglichen Ort,

wo er oder sie seit Anbeginn wohnt.

 

In diesem “Nicht Zwei” kommt alles zusammen.

Alles was ist, ist willkommen und wird umarmt.

So sehen die Weisen die Welt,

wo sie auch wohnen.

Sengtsan, im Jahr 606,

14.5.2014
Auch die Lotusblume braucht Schlamm,
um zu gedeihen.
Die Lotusblume wächst nicht auf Marmor.
Sie müssen erkennen,
dass es eine sehr enge Verbindung
zwischen Leid und Glück gibt.
Wer vor dem Leid wegläuft, kann kein Glück finden.
Im Gegenteil: Suchen sie nach den Wurzeln ihres Leids.
Erst dann kann Verständnis und Mitgefühl erwachsen.
Diese beiden sind der Schlüssel zum Glück.
 
(Thich Nhat Hanh)
03.05.14
Wenn wir einmal gründlich darüber nachdenken,
werden wir feststellen,
dass wir von Anfang an über nichts verfügen,
woran wir festhalten müssen.
Doch wir tun unser ganzes Leben so,
als hätten wir etwas zu verlieren.
Diese Illusion bringt uns
aus dem inneren Gleichgewicht.
 
(Kodo Sawaki)
22.04.14
 
- Wie hält er es alleine in einem Raum aus?
- Was für ein Lachen gehört zu ihm,
  wie kann er lächeln?
- Wieviel echtes Mitgefühl im Unterschied
  zum Mitleid kann er geben?
- Wovon ist er abhängig? Kann er verzichten?
  Kann er loslassen?
- Was für eine Aufgabe und welchen Sinn
  hat er in seinem Leben gefunden?
- Wie kann er mit der permanenten Entwicklung
  der Veränderung des Lebens umgehen?
- Wie kann er mit dem Prozeß des Leidens
   im Leben umgehen? 
 
(Fragen aus der Homöopathie - Anamnese)