18.01.2014

Geduld zu haben gegen alles Ungelöste

in Ihrem Herzen und zu versuchen,

die Fragen selbst lieb zu haben,

wie verschlossene Stuben und wie Bücher,

die in einer fremden Sprache geschrieben sind.

Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten,

die Ihnen nicht gegeben werden können,

weil Sie sie nicht leben könnten.

Und es handelt sich darum, alles zu leben.

Leben Sie jetzt die Fragen.

Vielleicht leben Sie dann allmählich,

ohne es zu merken,

eines Tages in die Antwort hinein.

Rainer Maria Rilke

06.01.2013

Es gibt keine Schwierigkeit, die genug Liebe nicht besiegen kann,

keine Krankheit, die genug Liebe nicht heilen kann, keine Tür,

die genug Liebe nicht öffnen kann, keine tiefe Kluft,

die genug Liebe nicht überbrücken kann, keine Wand,

die genug Liebe nicht einreißen kann, keine Sünde,

die genug Liebe nicht erlösen kann. 

Es macht keinen Unterschied, wie tief die Verletzung sitzt,

wie hoffnungslos die Aussicht, wie verwickelt die Verstrickung,

wie groß der Fehler ist:

Eine genügend große Verwirklichung der Liebe kann das alles auflösen.

Wenn du nur genügend lieben könntest –

du wärest das glücklichste und machtvollste Wesen in der Welt. 

(Emmet Fox)

26.12.2013
Das Leben ist ein immerwährender Versuch.
Umkehr ist eine echte Korrektur
der persönlichen kleinen Irrwege,
auf die man zwangsläufig immer wieder gerät,
eine Veränderung des Verhaltens.
Auch dies scheint ein Geheimnis:
Es kann nur dann die Seelenruhe vergrößern,
wenn es mit wahrer Einsicht einhergeht.
 
(S. Korog)

20.12.2013

 

Es gibt eine zeitlose, vielleicht universelle Bewusstseinsebene der Wahrnehmung von Schönheit.

Wer einen dieser seltenen Augenblicke erleben darf, fühlt eine bewusste Glückserfahrung.

Das kann man bei einer Malerei erleben, bei einem besonderen Musikstück,

aber auch wenn man an einem strahlend schönen Sonnentag

mit der Familie in der Natur auf eine Waldlichtung tritt und

sich mit Allem wie in einem Fluidum innerlich verbunden fühlt.

Man wird von etwas nicht wirklich Beschreibbaren innerlich berührt. 

Die Farben, das Licht, die Gerüche, die Geräusche, alle Empfindungen,

werden in absoluter Intensität aufgenommen

und man fühlt sich als Teil dieser Welt damit eingebunden.

Die Einsamkeit des Individuums verliert sich in dem Gefühl,

Teil eines ganzen Universums, eines inneren Sinns zu sein.

Man ist nicht mehr getrennt vom Leben als pulsierendem Wesen,

das sich dauernd verändert und entwickelt, sondern

die Schönheit des Lebens nimmt mich in sich auf, integriert mich im Sein.

 

N.N.

13.12.2013

Es kam der Tag, da sagte das Zündholz zur Kerze:
"Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden."
"O nein", erschrak die Kerze, "nur das nicht.
Wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt.
Niemand mehr wird meine Schönheit bewundern."
Das Zündholz fragte: "Aber willst du denn ein Leben lang
kalt und hart bleiben, ohne zuvor gelebt zu haben?"
"Aber brennen tut doch weh und zehrt an meinen Kräften",
flüstert die Kerze unsicher und voller Angst.
"Es ist wahr", entgegnete das Zündholz. "Aber das ist doch das Geheimnis unserer Berufung:
Wir sind berufen, Licht zu sein. Was ich tun kann, ist wenig.
Zünde ich dich nicht an, so verpasse ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dazu da, Feuer zu entfachen.
Du bist eine Kerze. Du sollst für andere leuchten und Wärme schenken.
Alles, was du an Schmerz und Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht.
Du gehst nicht verloren, wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer weiter tragen.
Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben ... "
Da spitzte die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung:
"Ich bitte dich, zünde mich an ..."

(Quelle unbekannt)